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Sind gedruckte Zeitungen die Dinosaurier der Verlagsbranche?

Geschrieben von Ninna Lauridsen am 22.06.15 11:31

Ninna Lauridsen
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Diese Frage muss klar verneint werden. Natürlich sind sie es nicht. Allein in den Vereinigten Staaten werden an jedem Wochentag mehr als 56 Million und an jedem Sonntag mehr als 60 Million Zeitungen verkauft (Newspaper Association of America). Da Sie allerdings diesen Blogeintrag geöffnet haben, möchten Sie vermutlich mehr über den derzeitigen Stand der Verlagsbranche erfahren.Beim „Visiolink Insights Day 2015“ legte Dr. Mario Garcia, ein anerkannter Medienguru, der im Jahr an mehr als 700 Medienprojekten arbeitet, seinen Ausblick auf die Zukunft des digitalen Publizierens dar. Er unterschied bei seinem Ausblick auf die Branche ausdrücklich zwei Zeitabschnitte: „damals“ und „heute“. Garcia ist der Auffassung, dass die Verlagsbranche gegenüber den Bedürfnissen der Leser beweglicher werden und damit anfangen muss, ihren Blick nach vorne zu richten. Zuerst wollen wir uns das „damals“ der Branche ansehen. 

Die Verlagsbranche – „damals“

Der Nachrichtenzyklus unterschied sich damals erheblich von dem heutigen. Vor dem Zeitalter des Internets beschränkten sich die Gewohnheiten der Leser auf das Lesen einer gedruckten Zeitung zu bestimmten Stunden des Tages, was deutlich in der Art zum Ausdruck kam, in der die Chefredakteure ihre Zeitungen führten. Die Nachrichten folgten einem Zeitplan, bei dem die Zeitungen am Morgen in den Kiosken eintrafen, sodass die Leser ihre Zeitung auf dem Frühstückstisch hatten. Die Nachrichten waren während des Tages zu bestimmten Zeiten verfügbar, was dem Chefredakteur reichlich Zeit ließ, um die Nachrichten des folgenden Tages zu planen. Damals „beschränkte die Technologie die Geschwindigkeit, mit der sich Nachrichten verbreiten konnten“, stellte Garcia fest, während sie sich heute mit grenzenloser Geschwindigkeit verbreiteten. 

Die Verlagsbranche – „heute“ 

Wie bei so vielen andere Branchen wirkte sich das Aufkommen des Internets in den frühen 1990er Jahren immens auf die Branche aus. Während der letzten 25 Jahre haben verschiedene Technologien verändert, in welcher Art und Weise wir Nachrichten konsumieren. Der Nachrichtenkonsum ist nicht mehr nur auf ein Medium beschränkt, sondern es bietet sich ein breites Spektrum von Möglichkeiten, um Nachrichten zu lesen, zu hören und zu sehen.

Garcia erwähnte insbesondere das Medienquintett: gedruckte Zeitungen, Computer, Tablets, Smartphones und Uhren. Garcia forderte die Medienhäuser auf, unter Beweis zu stellen, dass sie dazu in der Lage sind, ihre Inhalte auf allen fünf Plattformen zu präsentieren. „In fünf bis zehn Jahren wird die gedruckte Zeitung nicht mehr von Montag bis Freitag erscheinen, sondern durch die digitale Zeitung ersetzt worden sein. Die gedruckte Ausgabe wird allerdings noch an den Wochenenden zu ihrem Recht kommen.“ Das Publikum ist bereit, Inhalte zu allen Zeiten aufzunehmen, und die Medienhäuser müssen sich an diese Tatsache anpassen und damit anfangen, ihre Publikationstätigkeit an den Anforderungen der Leser auszurichten und nicht daran, wie es früher zu sein pflegte. Um dies zu erreichen, muss u. a. ein Verständnis für die zwei unterschiedlichen Geschwindigkeiten von Nachrichten entwickelt werden: 24/7 und kuratiert. 

 

Die beiden Geschwindigkeiten von Nachrichten: 24/7-Nachrichten und kuratierte Nachrichten

„24/7“ meint einen konstanten Informationsfluss, während „kuratiert“ für Nachrichtenpakete steht, die bearbeitet und nach speziellen Gesichtspunkten zusammengestellt werden. Letzteres erinnert an die Art und Weise, in der Medienhäuser zu arbeiten gewohnt sind, was für viele von ihnen bedeutet, dass sie sich erst noch der Herausforderung stellen müssen, den Anforderungen der Leser an 24/7-Nachrichten gerecht zu werden. „Die Leser wollen beides, die langsamen und die schnellen Nachrichten – man muss zu jedem Zeitpunkt sowohl sofort verfügbare als auch aufbereitete Nachrichten produzieren“, erklärte Garcia.

„Kuratierte Nachrichten“ sind die Art von Nachrichten, die die Leute dazu animieren, sich Zeit zu nehmen, die Schuhe auszuziehen und sich zu entspannen, was ihnen eine ganz andere Erfahrung vermittelt als bei der 24/7-Ausgabe. Diese kuratierte Nachrichtengeschwindigkeit muss so weiterentwickelt werden, dass sie zu den Elementen des Medienquintetts passt, bei denen es sich nicht um die gedruckte Ausgabe handelt.

Die Antwort auf die Frage „Sind die gedruckten Zeitungen der Dinosaurier der Branche?“ lautet daher immer noch nein, aber es scheint, dass Dr. Garcia den Teilnehmern des „Visiolink Insights Day 2015“ Anlass dazu gegeben hat, darüber nachzudenken, wie Nachrichten in Zukunft strukturiert und verbreitet werden und wie damit Geld verdient werden kann.

 

Weshalb mögen die Leser eZeitungen?

Nach der Erfahrung von Garcia gibt es dafür folgende Gründe:

  • Weil sie ein interaktives Erlebnis vermitteln.
  • Weil sie den sofortigen Zugang zu den neuesten Nachrichten ermöglichen.
  • Weil sie der Druckausgabe ähnlich sind und einen Wiedererkennungswert haben.
  • eZeitungen sind das Lean-Back-Medium der Zukunft.

Mit den Worten von Garcia: „Nehmen Sie das gute Produkt, das Sie haben, und fügen Sie ihm Mehrwert hinzu.“ Er ist insbesondere davon überzeugt, dass Elemente wie Video, Bilder, Audio und Links alle gemeinsam Teil des Nachrichtenkonsums sein sollten und dass die Medienhäuser ihren Lesern diese Optionen zur Verfügung stellen müssen. Als ein Beispiel nennt er das dänische Medienhaus „Nordjyske“: „Das Medienhaus bietet hat eine zusätzliche Komponente, die ich sehr schätze: das Web-TV, bei dem eine Live-Abdeckung möglich ist“, und er fährt mit folgender Feststellung fort: „Um in Zukunft effektiv zu sein, müssen eZeitungen ein Extra bieten. Und dieses 40-%-Extra ist digital, ist Web-TV, ist etwas anderes als das Lesen einer gedruckten Zeitung. Das ist für mich das Erfolgsrezept.“

 

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