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Der digitale Journalismus wird Premium

Geschrieben von Frederic Günzel am 12.12.16 14:09

Frederic Günzel

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Seit Jahren war es praktisch unmöglich für Zeitungen vom Journalismus und ihrem Kernprodukt, den Nachrichten, zu Leben. Leser haben sich daran gewöhnt auf digitalen Plattformen nichts zu bezahlen, da Inhalte jahrzehntelange kostenlos zu Verfügung gestellt wurden. Es hat deutlich den Druck erhöht mit Werbung Geld zu verdienen, ein Bereich, der jetzt durch harten Wettbewerb geprägt ist. Viele Zeitungen schauen jetzt zurück und untersuchen ein Geschäftsmodell, von dem sie dachten, dass es für immer verloren ist.

Abonnements kehren zurück
Es stellt sich heraus, dass Leser für guten Journalismus bezahlen. Es ist schwer zu sagen wo der Bruch ist, aber Zeitungen auf der ganzen Welt experimentieren mit digitalen Abonnements. Einige von Ihnen experimentieren mit Premium Angeboten, von denen viele glauben, dass es die Lösung ist, nach der die Industrie gesucht hat.

Das jüngste Beispiel für das Premium-Angebot der digitalen Abonnements kommt von der dänischen Zeitung Politiken. Eine Zeitung, die mehrere Abo-Modelle im Laufe der letzten Jahre ausprobiert hat. Am Mittwoch startete Politiken ein neues Abo-Modell mit mehrstufigen Preisen ab 299 DKK bis hin zu 549 DKK.im Monat.

Das günstigste Abonnement, Stufe 1, ist rein digital. Es bietet Zugang zu Premium-Web- Inhalten, Longreads und Web-TV, zusammen mit der täglichen digitalen Version der Zeitung. Die Zeitung Politiken wird Digital im Web, iOS und Android veröffentlicht. Bei Stufe 2 gehören Wochenendausgaben in gedruckter Ausgabe dazu und bei Stufe 3 wird neben den digitalen Ausgaben auch eine tägliche gedruckte Ausgabe angeboten.

Das Modell wurde umfangreich getestet, die französische Zeitung Le Monde verwendet es zum Beispiel auch. Es unterscheidet sich von den günstigeren Abo-Modellen durch den Fokus auf höhere Erträge pro Leser, anstatt durch einen Skaleneffekt.

Das optimale aus jedem Abonnenten zu gewinnen ist entscheidend für die digitalen Geschäftsmodelle der gedruckten Zeitungen. Das amüsante daran ist, dass die erneute Konzentration auf Abonnements, eine Rückkehr zu den Ursprüngen des modernen Journalismus ist. Bevor es die Werbung gab, waren Abonnementen die einzige Möglichkeit regelmäßige Einnahmen zu gewährleisten. Aber währen der Werbemarkt ausgepresst wird, in erster Linie online, sind die Aktien der Medienunternehmen stark rückläufig.

Zur gleichen Zeit sind die Leser und Zuschauer weit davon entfernt, ihren Mediengewohnheiten so treu zu bleiben wie vor 20 Jahren. Fokus auf höhere Erträge pro Leser scheint eine offensichtliche Lösung zu sein.

Exklusive Preise erfordert Qualitätsjournalismus
Allerdings sind viele in erster Linie skeptisch. Politikens günstigstes Abo kostet heute mehr als dreimal so viel, im Vergleich zur letzten Woche. Um erfolgreich mit dem Geschäftsmodell zu sein, stehen Zeitungen vor einem Dilemma: Was ist am wichtigsten? Leser oder Inserenten? Die höheren Preise sind ein Weg gegen fallende Werbeannoncen, aber nur so lange, wie die Leser weiterhin die Zeitung kaufen.

Le Monde stand vor der Herausforderung, im Jahr 2013. Sie entschieden sich dazu Personal für eine neue Abteilung zu beschäftigen, die Stand jetzt ein Drittel der redaktionellen Inhalte der Zeitung liefert. Durch den Fokus auf den Leser als Kunden, hat die weltbekannte französische Zeitung eine Abwärtsspirale in einen Neuanfang verwandelt. Seitdem haben sie neue Abschnitte der Zeitung und eine App-Version der digitalen Version, der gedruckten Zeitung, ins Leben gerufen.

Die Mobile Plattform scheint ein wichtiger Teil der Lösung zu sein. Jederzeit in der Hand des Lesers zu sein, ist ein Eckpfeiler des Erfolgs, laut der schwedischen Zeitung Aftonbladet. Sie praktizieren eine Art Second-Screen-First-Strategie. Alle Plattformen und Inhalte werden in erster Linie für die Mobile App entworfen. Ganze 59 % des digitalen Verkehrs kommt von der Mobile App.

Aftonbladets Premium-Produkte, Plus und Plus Premium (die auch das ePaper umfasst), kostet nur einen Bruchteil von dem, was Zeitungen wie Politiken verlangen. Aber mit 225.000 Abonnenten, können sie sich billigere Preise leisten. So einen Luxus haben sehr wenige Zeitungen.

Tatsächlich scheinen mehr und mehr Zeitungen die Idee zu verwerfen an die Massen zu appellieren. Stattdessen nehmen Sie ihren historischen Platz ein, mit einem strammen redaktionellen Schwerpunkt, der auf qualitativ hochwertigen Journalismus fokussiert, um gezielt schmalere Leser-Segmente, mit einem höheren Preis, zu treffen. Und es scheint zu funktionieren.

Topics: Knowledge, Cases

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